Deutsche Briefmarke zum 50-jährigen Jubiläum der MPG 1998. Photo: Birgit Kolboske

Über das Forschungsprogramm

Das Forschungsprogramm „Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft (1948-2002)“ ist aus dem Forschungsschwerpunkt „Historische Epistemologie wissenschaftlicher Institutionen“ der Abteilung I des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte hervorgegangen. Es wurde vom früheren MPG-Präsidenten Peter Gruss auf den Weg gebracht und hat mit der Bestätigung durch den amtierenden MPG-Präsidenten Martin Stratmann im Juni 2014 seine Arbeit aufgenommen. Bis 2022 wird es die Entwicklung der MPG von ihrer Gründung bis zum Ende der Präsidentschaft Hubert Markls historisch untersuchen und den Fortgang des Programms „Aufbau Ost“ bis ins Jahr 2005 verfolgen.

Die Leitung des Forschungsprogramms wurde einem Kollegium übertragen, dem Prof. Dr. Jürgen Renn (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte), Prof. Dr. Carsten Reinhardt (Universität Bielefeld) und Prof. Dr. Jürgen Kocka (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) angehören. Die operative Projektleitung obliegt Dr. Florian Schmaltz.

Ziel ist es, die Geschichte der MPG umfassend zu rekonstruieren. Sie soll in ihren zeit- und wissenschaftshistorischen Zusammenhängen dargestellt werden. Das Forschungsprogramm beschäftigt sich mit der Entstehung wissenschaftlichen Wissens und der Wechselwirkung der Forschungspraxis mit ihren institutionellen und gesellschaftlichen Kontexten. Es entwickelt neue Perspektiven auf die Beziehungen zwischen Wissenschafts- und Zeitgeschichte und behandelt die Geschichte der MPG als wichtigen Teil der kulturellen, politischen und ökonomischen Geschichte der Bundesrepublik im Zusammenhang europäischer und globaler Entwicklungen.

Es geht um die Geschichte der MPG insgesamt, ihre wissenschaftlichen Programme und Arbeitsweisen, ihre Strukturen und Ergebnisse, Erfolge und Misserfolge im Wandel der Jahrzehnte. Kontinuitäten und Diskontinuitäten werden untersucht. Das Forschungsprogramm bezieht hierbei die personellen, institutionellen und wissenschaftshistorischen Kontinuitäten zu ihrer Vorgängerorganisation, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, und ihren Instituten mit ein. An die Studien des Forschungsprogramms der Präsidentenkommission „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“ anknüpfend, wird auch danach gefragt, welche Hypotheken der NS-Vergangenheit die Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft belastet haben und wie mit der Aufklärung der Verstrickungen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in NS-Verbrechen umgegangen wurde. Zu den Untersuchungsthemen gehören: Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, Wissen und Gender, Exzellenz und Strukturen, Innovationen und Forschungspraxis, Wissenschaft und soziale Verantwortung. Der Unterschiedlichkeit lokaler Bedingungen wird Rechnung getragen, der Umgang der MPG und ihrer Institute mit nationalen, internationalen und globalen Herausforderungen wird analysiert. Auch kritische Themen wie die ethischen Grenzen von Forschung, die Dual-Use-Problematik und externe Einflussnahmen sollen vorbehaltlos untersucht werden.

Derzeit arbeiten sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen von ineinander greifenden Teilprojekten an der Realisierung dieses umfangreichen Programms. Sie befassen sich mit den Themen Governance und Finanzen (Jaromir Balcar), Gender (Birgit Kolboske), Lebenswissenschaften (Alexander v. Schwerin), Verhaltens-, Neuro- und Kognitionswissenschaften (Sascha Topp), Chemie, Physik und Materialwissenschaften (Thomas Steinhauser), Erdystemforschung (Gregor Lax) sowie mit der Sozialgeschichte der MPG und ihrer Beziehungen zur Öffentlichkeit.

Weitere Themen werden von Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern bearbeitet.

Bei aller notwendigen institutionellen Nähe zur MPG ist die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Forschungsprogramms sichergestellt. Zur Bewältigung der enormen Komplexität und der großen Datenmengen wendet das Forschungsprogramm neueste Werkzeuge und Methoden der Digital Humanities an und arbeitet selbst intensiv an der Entwicklung von Big Data-Konzepten.

Um der Annäherung des Untersuchungszeitraumes an die Gegenwart Rechnung zu tragen, ist das Forschungsprogramm einem strikten und umfassenden Reglement zur Wahrung des Datenschutzes, der Datensicherheit sowie der Persönlichkeits- und Urheberrechte verpflichtet. Dieses befindet sich in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes und den MPG-eigenen „Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ [1]

 

 

 

 

[1] Max-Planck-Gesellschaft: Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis - beschlossen vom Senat der Max-Planck-Gesellschaft am 24. November 2000, geändert am 20. März 2009, S. 1-2. Online unter: www.mpg.de/199493/regelnWissPraxis.pdf